Bilanzfälle

Welche Rollen du in welcher Messsituation zuordnest und was die Bilanz daraus rechnet.

Übersicht

Ein Bilanzfall ist eine Kombination zugeordneter Rollen. Welche Rollen es gibt, hängt von zwei Fragen ab:

  1. Wer ist am Netz angeschlossen? Ein einzelner Anschlussnehmer (Fall A), mehrere Anschlussnehmer auf einem Areal (Fall B) oder ein Gebäude mit zusätzlichem Bilanzzähler (Fall C).
  2. Was misst das Elektrizitätswerk? Nur den Netzbezug, zusätzlich die Netzeinspeisung einer PV-Anlage oder zusätzlich ihre Produktion.

Die zweite Frage entscheidet, welche Rollen überhaupt einen Datenpunkt bekommen können:

RolleNur NetzbezugMit EinspeisezählerMit Produktionszähler
NetzbezugZählerZählerZähler
Netzeinspeisung–ZählerZähler oder berechnet
Produktion––Zähler oder Summe mehrerer Zähler
EnergieherkunftBerechnet: NetzbezugBerechnet: NetzbezugBerechnet: Netzbezug − Netzeinspeisung + Produktion
Eigenverbrauch–– (unbekannt)Berechnet: Energieherkunft − Netzbezug
Speicher Ladung und Entladung––Optional, beide zusammen
Verbrauch Allgemein, Verbrauch NutzobjekteOptionalOptionalOptional

Netzbezug und Energieherkunft sind in jedem Fall Pflicht. Die Energieherkunft und der Eigenverbrauch sind berechnete Datenpunkte. Die Beispiele zeigen die Werte einer einzelnen Viertelstunde.

Dazu kommt Fall D, eine PV-Anlage mit gemessenen Nutzobjekten, aber ohne Zähler für den Allgemeinverbrauch.


Fall A: Einzelner Anschlussnehmer

Ein Einfamilienhaus, ein Areal oder ein ZEV mit genau einem Netzanschluss. Du konfigurierst eine Bilanz für das Element, zu dem der Anschluss gehört.

Fall A1: Nur Netzbezug

Es gibt nur den Zähler des Elektrizitätswerks.

RolleDatenpunkt
NetzbezugDer Netzzähler
EnergieherkunftBerechnet: Netzbezug

Erstelle die Energieherkunft aus der Rolle mit Neuer Datenpunkt… und dem Netzbezug als einzigem Eingang. Die vorgeschlagene Funktion passt.

Was die Bilanz zeigt: Energieherkunft und Energieverbrauch sind gleich dem Netzbezug. Es gibt keine «davon Eigenverbrauch»-Zeilen. Der Verbrauch steht als Verbrauch (nicht aufgeteilt) oder, mit Verbrauchsrollen, in den zugeordneten Zeilen.

Beispiel: Netzbezug 400 kWh ergibt eine Energieherkunft und einen Energieverbrauch von 400 kWh.

Fall A2: PV-Anlage, Einspeisung gemessen

Eine PV-Anlage speist ins Netz ein. Gemessen werden der Netzbezug und die Netzeinspeisung, nicht aber die Produktion.

RolleDatenpunkt
NetzbezugDer Bezugszähler
NetzeinspeisungDer Einspeisezähler
EnergieherkunftBerechnet: Netzbezug

Die Energieherkunft ist hier nur der Netzbezug, nicht Netzbezug − Netzeinspeisung. Ohne Produktionszähler weiss niemand, wie viel Solarstrom direkt verbraucht wurde. Der Verbrauch ist also mindestens so gross wie der Netzbezug, der Eigenverbrauch bleibt unbekannt. Ordne keinen Eigenverbrauch zu.

Was die Bilanz zeigt: Energieherkunft und Energieverbrauch sind gleich dem Netzbezug. Die Netzeinspeisung steht unter Nicht in der Energieherkunft enthalten und fehlt im Sankey-Diagramm. Es gibt keine «davon Eigenverbrauch»-Zeilen. Im Graphen des Reiters Bilanz ist die Verbindung von der Netzeinspeisung zur Energieherkunft gestrichelt und mit fliesst nicht ein beschriftet.

Beispiel: Netzbezug 300 kWh und Netzeinspeisung 200 kWh ergeben eine Energieherkunft von 300 kWh, nicht 100 kWh.

Fall A3: PV-Anlage, Produktion gemessen

Gemessen werden Netzbezug, Netzeinspeisung und Produktion. Die Netzeinspeisung kann auch berechnet sein.

RolleDatenpunkt
NetzbezugDer Bezugszähler
NetzeinspeisungDer Einspeisezähler
ProduktionDer Produktionszähler oder die Summe mehrerer PV-Zähler
EnergieherkunftBerechnet: Netzbezug − Netzeinspeisung + Produktion
EigenverbrauchBerechnet: Energieherkunft − Netzbezug

Vorlagen für beide Funktionen findest du unter Funktionen für die Bilanz.

Was die Bilanz zeigt: Unter der Energieherkunft stehen Netzbezug, Netzeinspeisungen (negativ) und Energieerzeugung. Unter dem Energieverbrauch steht «davon Eigenverbrauch» als Summe, und jede Verbrauchszeile trägt ihren Anteil.

Beispiel: Netzbezug 300 kWh, Netzeinspeisung 200 kWh und Produktion 600 kWh ergeben eine Energieherkunft von 700 kWh und einen Eigenverbrauch von 400 kWh. Unter dem Energieverbrauch von 700 kWh steht «davon Eigenverbrauch 400 kWh».

Mit Batteriespeicher

Hat die Anlage einen Batteriespeicher, ordnest du zusätzlich Speicher Entladung und Speicher Ladung zu, immer beide zusammen. Ein Speicher braucht eine Produktion, ist also nur mit Produktionszähler möglich.

RolleDatenpunkt
Speicher EntladungDie Entladung der Batterie
Speicher LadungDie Ladung der Batterie
EnergieherkunftBerechnet: Netzbezug − Netzeinspeisung + Produktion + Speicher Entladung

Was die Bilanz zeigt: Die Entladung steht unter der Energieherkunft als Energiespeicherung. Die Ladung ist Verbrauch im selben Zeitraum und steht unter dem Energieverbrauch.


Verbrauch aufteilen

In jedem Fall kannst du den Verbrauch aufteilen, wenn es die Zähler dafür gibt:

  • Verbrauch Allgemein: Allgemeinflächen, Haustechnik, Wärmepumpe.
  • Verbrauch Nutzobjekte: Mieter, Wohnungen, Gewerbe.

Mehrere Zähler fasst du pro Rolle zu einer berechneten Summe zusammen. Ordnest du keine der beiden Rollen zu, zeigt die Bilanz den ganzen Verbrauch als Verbrauch (nicht aufgeteilt).

Wird nur einer der beiden Verbräuche gemessen, landet der andere in der Messabweichung, obwohl er keine Abweichung ist. Ordne ihn deshalb als berechnete Differenz zu, zum Beispiel:

Allgemein (virtuell) = Energieherkunft − Verbrauch Nutzobjekte

So trägt die Zeile den richtigen Namen, und die Messabweichung ist null. Fall C und Fall D nutzen genau dieses Muster.


Fall B: Areal mit mehreren Anschlussnehmern

Ein Areal mit mehreren Anschlussnehmern, zum Beispiel ein Mehrfamilienhaus mit ZEV-interner Abrechnung. Jeder Anschlussnehmer, ob Gebäude oder Nutzobjekt, hat einen eigenen Netzzähler. Die PV-Anlage gehört zum Areal. Jeder Anschlussnehmer soll seinen Verbrauch und seinen Anteil am Solarstrom separat sehen.

Konfiguriere eine Bilanz für das Areal und eine pro Anschlussnehmer:

BilanzeinheitRollen
ArealNetzbezug ist die berechnete Summe der Netzzähler aller Anschlussnehmer. Die übrigen Rollen wie in Fall A1, A2 oder A3, je nachdem, was gemessen wird.
Jeder AnschlussnehmerNetzbezug ist sein eigener Netzzähler. Dazu eine Energieherkunft und, wenn das Areal eine Produktion hat, ein Eigenverbrauch (unten).

Ohne Produktionszähler ist jeder Anschlussnehmer wie Fall A1 konfiguriert: Energieherkunft = Netzbezug. Der Eigenverbrauch bleibt für alle unbekannt.

Mit Produktionszähler hat das Areal einen Eigenverbrauch. ROOCKiE verteilt ihn nicht automatisch auf die Anschlussnehmer. Du legst die Verteilung als berechnete Datenpunkte fest, im Verhältnis des Netzbezugs der Anschlussnehmer in jedem Messintervall:

Rolle des AnschlussnehmersDatenpunkt
EigenverbrauchBerechnet: Netzbezug ÷ Netzbezug des Areals × Eigenverbrauch des Areals
EnergieherkunftBerechnet: Netzbezug + Eigenverbrauch

Weil die Eingänge vom Areal kommen, erstellst du den Eigenverbrauch im Reiter Datenpunkte des Anschlussnehmers und ordnest ihn danach in seiner Bilanz zu. Mit den Eingängen Netzbezug des Anschlussnehmers, Netzbezug des Areals und Eigenverbrauch des Areals, in dieser Reihenfolge, lautet die Funktion:

let val0 = get(UpstreamValues, DependencyIds[0]);
let val1 = get(UpstreamValues, DependencyIds[1]);
let val2 = get(UpstreamValues, DependencyIds[2]);
IsNaN(val0) || IsNaN(val1) || IsNaN(val2)
  ? NaN()
  : (val1 == 0.0 ? 0.0 : val0 / val1 * val2)

Anders als bei Summen und Differenzen fehlt hier der Schritt mit safe0, safe1, …: In einem Verhältnis darf ein fehlender Eingang nicht als 0 zählen.

Hat das Areal in einem Intervall keinen Netzbezug, gibt es keine Grundlage für die Verteilung, und die Funktion ordnet jedem Anschlussnehmer 0 zu. Der Eigenverbrauch des Areals aus diesem Intervall wird dann nicht verteilt: Die Anteile der Anschlussnehmer ergeben zusammen weniger als der Eigenverbrauch des Areals, vor allem in sonnigen Stunden, in denen die PV-Anlage den ganzen Bedarf deckt.

Die Energieherkunft ist eine Summe, die vorgeschlagene Funktion passt.

Was die Bilanz zeigt: Das Areal allein zeigt das Total mit allen Netzzählern als Eingänge des Netzbezugs. Die Anschlussnehmer zusammen zeigen je eine Verbrauchszeile pro Anschlussnehmer mit seinem Anteil am Eigenverbrauch. Areal und Anschlussnehmer zusammen zeigt die Bilanz nicht an, weil sonst alles doppelt gezählt würde; siehe Mehrere Bilanzeinheiten.

Beispiel: Gebäude 1 bezieht 300 kWh, Gebäude 2 200 kWh. Die PV-Anlage des Areals produziert 600 kWh und speist 200 kWh ein.

BilanzeinheitNetzbezugEigenverbrauchEnergieherkunft
Areal500 kWh400 kWh900 kWh
Gebäude 1300 kWh240 kWh540 kWh
Gebäude 2200 kWh160 kWh360 kWh

Fall C: Zusätzlicher Bilanzzähler

Ein Mehrfamilienhaus, in dem die Mieter nicht einzeln gemessen werden oder ihre Daten nicht zugänglich sind. Ein zusätzlicher Bilanzzähler misst den gesamten Netzbezug des Gebäudes, ein weiterer Zähler den Allgemeinverbrauch. Den Verbrauch der Mieter berechnest du als Differenz.

RolleDatenpunkt
NetzbezugDer Bilanzzähler
Netzeinspeisung, Produktion, Energieherkunft, EigenverbrauchWie in Fall A1, A2 oder A3, je nachdem, was gemessen wird
Verbrauch AllgemeinDer Allgemeinzähler
Verbrauch NutzobjekteBerechnet: Energieherkunft − Verbrauch Allgemein

Nenne den berechneten Verbrauch der Nutzobjekte zum Beispiel «Nutzobjekte (virtuell)».

Was die Bilanz zeigt: Der Anteil der Mieter steht in der Zeile Verbrauch Nutzobjekte, die Messabweichung ist null. Lässt du Verbrauch Nutzobjekte leer, erscheint der Anteil der Mieter stattdessen als Messabweichung. Das ist möglich, aber irreführend.

Beispiel mit Produktionszähler: Bilanzzähler 505 kWh, Netzeinspeisung 200 kWh, Produktion 500 kWh und Allgemeinverbrauch 200 kWh ergeben eine Energieherkunft von 805 kWh, einen Eigenverbrauch von 300 kWh und einen Verbrauch der Nutzobjekte von 605 kWh.


Fall D: Kein Zähler für den Allgemeinverbrauch

Eine PV-Anlage mit gemessenem Netzbezug, gemessener Netzeinspeisung und gemessener Produktion. Die Nutzobjekte haben eigene Zähler, für den Allgemeinverbrauch gibt es keinen. In der bisherigen Bilanz hiess diese Situation Fall D.

RolleDatenpunkt
Netzbezug, Netzeinspeisung, Produktion, Energieherkunft, EigenverbrauchWie in Fall A3
Verbrauch NutzobjekteDie Summe der Zähler aller Nutzobjekte
Verbrauch AllgemeinBerechnet: Energieherkunft − Verbrauch Nutzobjekte

Nenne den berechneten Allgemeinverbrauch zum Beispiel «Allgemein (virtuell)».

Was die Bilanz zeigt: Der Allgemeinverbrauch steht in seiner eigenen Zeile, die Messabweichung ist null. Gibt es gar keine Verbrauchszähler, lässt du beide Verbrauchsrollen leer; die Bilanz zeigt den ganzen Verbrauch dann als Verbrauch (nicht aufgeteilt).

Beispiel: Netzbezug 300 kWh, Netzeinspeisung 200 kWh, Produktion 600 kWh und Nutzobjekte 500 kWh ergeben eine Energieherkunft von 700 kWh und einen Allgemeinverbrauch von 200 kWh.


Weitere Situationen

Kein Netzbezugszähler

Fehlt der Netzbezugszähler, berechnest du den Netzbezug aus den übrigen Zählern:

Netzbezug (berechnet) = Verbrauch Allgemein + Verbrauch Nutzobjekte + Netzeinspeisung − Produktion

Mit Batteriespeicher zählt die Ladung als Verbrauch und die Entladung als zugeführte Energie:

Netzbezug (berechnet) = Verbrauch Allgemein + Verbrauch Nutzobjekte + Speicher Ladung + Netzeinspeisung − Produktion − Speicher Entladung

Ohne Einspeisezähler wird dieser Wert negativ, sobald die PV-Anlage mehr produziert als verbraucht wird.

Mehrere Zähler für eine Rolle

Jede Rolle hat genau einen Datenpunkt. Mehrere PV-Anlagen, mehrere Mieterzähler oder mehrere Anschlüsse fasst du in einem berechneten Datenpunkt mit der vorgeschlagenen Summenfunktion zusammen. In der Tabelle lässt sich die Zeile aufklappen und zeigt jeden Zähler einzeln.

Zählerwechsel

Wird ein Zähler ersetzt, ordnest du eine berechnete Summe aus altem und neuem Zähler zu. Jeder der beiden liefert nur für die Zeit Werte, in der er gemessen hat. So bleibt der Verlauf lückenlos.

Gas, Heizöl und andere Einheiten

Wärme, Kälte, Gas und Heizöl werden in kWh bilanziert, Wasser in m³. Misst ein Zähler in einer anderen Einheit, zum Beispiel Gas in m³ oder Heizöl in Litern, ordnest du einen berechneten Datenpunkt in kWh zu, der den Zählerwert mit dem Umrechnungsfaktor des Energieträgers umrechnet.

Derselbe Wert in zwei Bilanzen

Ein Datenpunkt kann nur einmal zugeordnet werden. Braucht eine zweite Bilanzeinheit denselben Wert, erstellst du einen berechneten Datenpunkt mit dem ersten als einzigem Eingang und ordnest diesen zu.


Von der bisherigen Bilanz

Die bisherige Energiebilanz hat die Bilanz aus den Messarten der bilanzrelevanten Zähler abgeleitet und fehlende Werte beim Anzeigen ergänzt. Heute legst du jede Bilanz ausdrücklich fest. Bisherige Bilanzen werden nicht automatisch übernommen.

Ordne beim Einrichten möglichst die bestehenden Datenpunkte zu. Ihre Werte erscheinen sofort. Die bisherige Messart eines Zählers zeigt dir seine Rolle:

Bisherige MessartRolle
Energiebezug (Bilanzzähler)Netzbezug
Energierückgabe (Netzeinspeisung)Netzeinspeisung
Produktion Energieerzeugungsanlage, PV-Typ ProduktionProduktion
Produktion Energieerzeugungsanlage, PV-Typ VerbrauchWird von der Produktion abgezogen, siehe Nettoproduktion
Gebäude (Gesamt/Allgemein), ZoneVerbrauch Allgemein
NutzobjektVerbrauch Nutzobjekte

Was sich ändert:

  • Nichts wird beim Anzeigen ergänzt. Was nicht gemessen wird, ist ein berechneter Datenpunkt. Er wird gespeichert wie jeder andere und erscheint deshalb auch in Verläufen und Exporten. Seine Formel ist sichtbar.
  • Fall A2 ergibt andere Werte. Die Energieherkunft ist der Netzbezug, nicht mehr Netzbezug − Netzeinspeisung.
  • «Bilanzrelevant» blendet nichts mehr aus. Aufgeklappte Zeilen zeigen alle Eingänge und Untermessungen.
  • Eine Abweichung gibt es nur noch auf der Verbrauchsseite. Die Energieherkunft wird aus ihren Zeilen berechnet und kann ihnen nicht widersprechen.

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